Führung mit Fokus auf Mensch & System | Reifegradmodell

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Sowohl in der Theorie als auch in der Praxis existieren diverse Auffassungen & Verständnisse von Führung sowie Führungsstilen. Meiner persönlichen Auffassung & Erfahrung nach gibt es hierbei weder richtig noch falsch bzw. schwarz oder weiß Vielmehr gilt es die Situation ganzheitlich, d. h. in Anlehnung an z. B. die Kultur, Ziele, Menschen, Strukturen/ Prozesse, etc., zu erfassen & das eigene (Führungs-)Verhalten entsprechend anzupassen. Aber was heißt eigentlich Leadership & situative Führung?

Leadership | Mut zu führen

Unabhängig von all den existierenden Theorien & Meinungen zum Megathema Führung steht eins fest, Führung betrifft Menschen. Mein persönliches Verständnis von Führung bzw. Leadership orientiert sich an der Definition von Brené Brown: „Anyone who takes responsibility for finding the potential in people and processes and who has the courage to develop that potential.”* Mit Bezug auf die Beziehung zu MitarbeiterInnen, der Verantwortung Potenzial in Menschen sowie Prozessen zu identifizieren & dem Mut dieses Potenzial zu entwickeln, kann der Einsatz des situativen Führungsmodells (Reifegradmodell) nach Hersey & Blanchard unterstützen. Die Autoren gehen davon aus, dass das effektive Verhalten einer Führungskraft vom Reifegrad der MitarbeiterInnen bestimmt wird. 

Situative Führung | Reifegradmodell

Die von Hersey & Blanchard entwickelte situative Führungstheorie verbindet die Dimensionen Personen- & Aufgabenorientierung mit vier situativen Führungsstilen. Die Situation wird durch den Reifegrad der MitarbeiterInnen bestimmt, welcher sich durch die Faktoren Kompetenz (Funktionsreife) & das Commitment (psychologische Reife) ergibt. Die Funktionsreife betrifft das Wissen, die Fähigkeiten & Erfahrungen, über die eine Person zur Bewältigung der Aufgaben verfügt. Unter Commitment kann im weitesten Sinne das Engagement der MitarbeiterInnen wie zum Beispiel die Motivation & Leistungsbereitschaft sowie das Selbstvertrauen hinsichtlich der Aufgaben verstanden werden.

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Reifegradmodell (Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Schreyögg & Koch 2020 nach Hersey et al. 2012)

Hersey & Blanchard differenzieren vier Reifegradstufen & empfehlen dazu passend vier Führungsstile (vgl. Abbildung). 

  1. Bei einer geringen Reife (M1) erzielt eine direkte Führung in Form von z. B. detaillierten Informationen & präzisen Anweisungen die höchste Effektivität**. Dabei ist die Aufgabenorientierung hoch, die Personenorientierung eher gering vorhanden.
  2. Eine geringere bis mäßige Reife (M2) der MitarbeiterInnen erfordert eine strukturierende Führung.Diese wirkt durch entsprechende Anleitungen, Diskussionen & der Förderung von ganzheitlichem Denken effektiv. Sowohl die Aufgaben- als auch die Personenorientierung sind hoch ausgeprägt.

3. Eine partizipative Führung ist bei einem mäßigen bis hohen Reifegrad (M3) effektiv. Die MitarbeiterInnen erhalten zunehmend Verantwortung & Entscheidungsbefugnissen. Bei einer hohen Personenorientierung nimmt die Aufgabenorientierung stetig ab.
4. Der höchste Reifegrad (M4) erfordert einen delegativen Führungsstil, bei dem die Selbstständigkeit der MitarbeiterInnen im Fokus steht. Sowohl die Aufgaben- als auch die Personenorientierung sind eher schwach ausgeprägt.

Abschließend ist daraufhin zuwiesen, dass nach Auffassung von Hersey & Blanchard kein idealtypischer Führungsstil existiert, sondern je nach Situation & Reifegrad der MitarbeiterInnen unterschiedliche führungsspezifische Vorgehens- & Verhaltensweisen erforderlich bzw. erfolgreich sein können. 

Fazit & Ausblick

Führung betrifft nicht nur Menschen, sondern sie wird auch durch Menschen praktiziert. Vor dem Hintergrund der Diversität ist auch der persönliche Geschmack bzw. die Auffassung von Führung unterschiedlich. Das Reifegradmodell stellt eines von vielen Führungskonzepten dar, welches keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit bzw. Vollständigkeit erhebt.

Der praktische Einsatz des Modells wird neben kontextualen Führungsbedingungen wie der Unternehmenskultur, den Zielen, den Menschen, etc. durch vielfältige weitere Faktoren (z. B. Unternehmensumwelt, Wettbewerb) beeinflusst. Ebenso sollte ein Bewusstsein dafür herrschen, dass der Reifegrad der MitarbeiterInnen dynamisch ist & sich entsprechend verändern kann, sodass es u. U. eines anderen Führungsverhaltens bedarf. Mit Bezug auf die Entwicklung von Menschen & Organisationen kann der Einsatz von Business Coaching förderlich sein.


Links & Hinweise:

📖 Quelle: Schreyögg, G. & Koch, J. (2020). Management. Grundlagen der Unternehmensführung. Wiesbaden: Springer Gabler.

📌 Portfolio Business Coaching

💡 Brené Brown ist Professorin am Graduate College of Social Work in Houston, Texas. Seit dreizehn Jahren erforscht sie die Themen Mut, Verletzlichkeit, Scham & Empathie.

🔖 *Zitat in Deutsch: „Jeder, der Verantwortung dafür übernimmt, das Potenzial in Menschen & Prozessen zu finden & den Mut hat, dieses Potenzial zu entwickeln.“ 

📍*Effektivität wird in diesem Zusammenhang als Zielerreichung verstanden.

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